Zusammenfassung
- Daniela Bleymehl startet Sonntag beim Ironman 70.3 Kraichgau am Hardtsee in Ubstadt-Weiher.
- Die 37-jährige Darmstädterin gehört seit Jahren zur Weltspitze auf der Triathlon-Langdistanz.
- Nach drei Schwangerschaften kehrte Bleymehl jeweils erfolgreich in den Spitzensport zurück.
- Familie, Training und Alltag organisiert sie mit Unterstützung ihres Umfelds als Familienbetrieb.
Emilia und Alicia werden natürlich dabei sein, wenn ihre Mami am Sonntag beim 70.3 Ironman Kraichgau (Start ist um 8 Uhr am Hardtsee in Ubstadt-Weiher) ihrer Arbeit nachgeht. Irgendwo am Rande der Strecke werden sie sich die beiden Mädchen – selbstverständlich wohlbehütet – aufhalten, später natürlich auch im Zielbereich. Was genau da vor sich geht, wird zumindest Emilia allerdings noch nicht so richtig begreifen können, sie ist schließlich gerade mal achteinhalb Monate alt.
Nicht auszuschließen, dass sie die meiste Zeit selig schlafend in ihrem Babywägelchen liegen und erst wieder aufwachen wird, wenn Mami ihre Arbeit getan hat und sie wieder in ihre Arme schließt. Bei ihrer großen Schwester ist das ein bisschen anders. Alicia ist schließlich schon vier. „So langsam bekommt sie immer mehr mit, was ich da mache“, sagt Daniela Bleymehl, Mutter von Emilia und Alicia.
Sechs Wettbewerbe über die Ironman-Distanz gewonnen
Daniela Bleymehl macht Triathlon – und wie. Seit Jahren zählt die Darmstädterin zu den besten Langstreckentriathletinnen der Welt, sechs Wettbewerbe über die Ironman-Distanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren, 42,195 Kilometer Laufen) darunter jene in Roth und Frankfurt, hat sie schon gewonnen. Was die so schon großartige Leistung noch um einiges außergewöhnlicher macht: Die 37-Jährige hat in dieser Zeit drei Kinder zur Welt gebracht. Komplettiert wird das Trio schließlich durch Marlon, den 15-jährigen Sohn.
Da darf man getrost feststellen, dass die Zahl drei eine nicht geringe Rolle in Bleymehls Leben spielt. Drei Disziplinen. Drei Kinder. Drei Mal hat sie ihre sportliche Karriere wegen Schwangerschaft unterbrochen. Drei Mal hat sie sie danach wieder fortgesetzt – und jeweils prompt angeknüpft an die Erfolge davor.
Nach einer Schwangerschaft ist es nicht selbstverständlich, dass man zurückfindet.Daniela Bleymehl
Triathlon-Profi und Mutter
Mehr sogar: Nach Marlons Geburt im Jahr 2011 ist Bleymehl, damals noch unter ihrem Mädchennamen Sämmler, auf der Langstrecke überhaupt erst so richtig durchgestartet; 2015 auf Mallorca gewann sie ihren ersten Ironman. Im Jahr nach Alicias Geburt 2021 triumphierte sie in Südafrika und Frankfurt. Auch ihr drittes Comeback darf jetzt schon als bestens gelungen abgehakt werden: Am 19. April dieses Jahres kam Bleymehl erneut beim Ironman Südafrika als Dritte ins Ziel, gerade Mal sieben Monate nach Emilias Geburt.
Das sind drei großartige Comebacks – und zumindest in der Weltspitze des Triathlons ist das vor ihr noch keiner anderen Athletin gelungen. Schon als Zweifach-Mami hatte Bleymehl ein Alleinstellungsmerkmal. Ein „Selbstläufer“ war es freilich auch diesmal nicht, wie die 37-Jährige betont. „Nach einer Schwangerschaft ist es nicht selbstverständlich, dass alles klappt und man zurückfindet“, fügt sie an. Auch beim dritten Mal war das nicht anders, obwohl es die Erfahrung der beiden Male davor natürlich etwas einfacher gemacht habe.
Reduziertes Training während der Schwangerschaft
Überhaupt, so Bleymehl, habe sich in der Sportwissenschaft just auf dem Themengebiet Sport und Schwangerschaft in den letzten Jahren „eine Menge getan“. „Bei Marlon und Alicia wurde mir von den Ärzten noch von Krafttraining während der Schwangerschaft abgeraten“, nennt Bleymehl ein Beispiel hierfür. Davon sei diesmal, bei Alicia, keine Rede mehr gewesen.
„Fast während der ganzen Schwangerschaft konnte ich mein Training aufrechterhalten“, sagt Bleymehl. Nur das Pensum habe sie „etwa auf die Hälfte von dem, was ich normalerweise trainiere“ runtergedimmt. Aus im Schnitt 28 Stunden Training pro Woche wurden so acht bis zwölf bei zudem etwas niedrigerer Intensität.
Und so, wie sie ihr Training vor der Geburt runtergefahren hat, hat sie es danach auch allmählich wieder hochgeschraubt. „Drei bis vier Monate danach war ich wieder bei meinem normalen Trainingspensum“, erzählt Bleymehl.
Dabei hat sie, was die Umfänge anbelangt, schon immer „eher am unteren Rand dessen trainiert, was die anderen machen“. „Schließlich hatte ich fast während meiner ganzen Karriere immer mindestens ein Kind“, sagt sie fast schon nebenbei. Da wird Trainingszeit von ganz allein zu einem kostbaren Gut, das gut genutzt sein möchte: Was zumindest ein Teil ihrer Konkurrentinnen mehr trainiert, versucht Bleymehl durch „kompaktere und intensivere Einheiten“ zu kompensieren.
Triathlon als Familienbetrieb
Das bedarf nicht nur beim Training einer ausgeklügelten Planung und Organisation, sondern bei allem anderen auch. Es ist schließlich eine Herkulesaufgabe, drei Kinder und drei Disziplinen unter einen Hut zu bringen. Entsprechend sind Bleymehls Tage durchgetaktet, meist beginnen sie morgens früh um fünf. Noch bevor die beiden Jüngsten aufwachen, richtet sie das Frühstück und bringt eine erste Schwimmeinheit hinter sich. Auch den Rest des Tages verbringt die Iron-Mami im Wechsel zwischen Kinderbetreuung und Training.
Ohne die tatkräftige Unterstützung von Gatte Moritz, der allerdings gerade seinen Facharzt macht und zeitlich somit ebenfalls eingeschränkt ist, und den beiden Omis sowie einer externen Hilfe wäre das kaum möglich. Als „Familienbetrieb“ bezeichnet Bleymehl selbst ihr Doppelleben als Triathlonprofi und Mutter.
Es ist ein kräftezehrendes Leben. Andererseits: Sie kennt es nicht anders. Und sie liebt es so, wie es ist. Als „schönen Kontrast“ zur üblichen Sportwelt sieht sie ihr Familienleben zum einen. „Ich empfinde es nach wie vor als großes Privileg, mein Hobby weiter als Beruf ausüben zu können“, stellt sie zum anderen fest.
Und überhaupt: Emilia, Alicia und Marlon haben ihr, so sagt es Daniela Bleymehl, schon immer mehr Kraft und Motivation gegeben als genommen. Am Sonntag im Kraichgau will sie das einmal mehr unter Beweis stellen.