Sidi Sané ist ein Name, der auf dem Aufstellungsbogen von Eintracht Braunschweig sofort ins Auge sticht. Inzwischen ist es weithin bekannt: Beim Offensiv-Allrounder des kommenden Gegners des Karlsruher SC handelt es sich um den jüngeren Bruder des bei Galatasaray beschäftigten Nationalspielers Leroy Sané.
Fußballkarriere war Familienschicksal
Braunschweig ist offenbar ein attraktives Pflaster für jüngere Fußball-Brüder, die im ganz großen Fußball nicht ankommen. Denn auch der längst ins Trainergeschäft übergewechselte Felix Kroos, Bruder von Weltmeister Toni Kroos, spielte in der Saison 2020/2021 für die Löwen. Damals endete die Liaison mit dem Abstieg.
Das sollte Sidi Sané mit der Eintracht Braunschweig in dieser Saison nicht passieren. Der Trend jedenfalls passt. Das Team der Niedersachsen rangiert mit 21 Zählern auf dem zwölften Tabellenplatz und könnte am Samstag (13 Uhr/Sky) mit einem Heimsieg gegen den KSC den Sicherheitsabstand zur Abstiegszone etwas stabilisieren. Die Eintracht kommt über Intensität, Disziplin und situativ mit hohem Tempo, für das vor allem die Geschwindigkeitskicker Erencan Yardimci und Leon Bell Bell stehen.
Dass der 22 Jahre alte Sidi seinem berühmteren Bruder Leroy nacheifern würde, war wohl auch Familienschicksal, schließlich ist Sidi in eine Sportlerfamilie hineingeboren. Sein Vater Souleyman war Fußball-Nationalspieler Senegals und machte sich in den 1980ern in der Bundesliga, unter anderem beim SC Freiburg, einen Namen. Seine Mutter, Regina Weber, holte 1984 in Los Angeles Olympia-Bronze in der Rhythmischen Sportgymnastik.
„Nach jedem Spiel telefonieren wir“, sagt Sidi über sein Verhältnis zum Vater. Auch Leroy schaut hin. „Er guckt sich meine Spiele immer an, wir sind immer im Austausch“, berichtet Sidi. Oft trudeln nach Abpfiff Nachrichten ein: Was war gut, was geht besser?
Über Wattenscheid, Bayer und Schalke nach Braunschweig
Inzwischen besitzt Sidi Sané aber auch so einige eigene Erfahrungen im Profigeschäft. Dazu zählen auch die grässlichen Seiten, wie sie schon sein Vater kannte. So machte der Fall bundesweit Schlagzeilen, als Sidi vergangenen Oktober nach der 1:2-Niederlage gegen Paderborn von einem Fußballfan rassistisch bepöbelt wurde.
Sidi und seinen acht Jahre älteren Bruder Leroy verbindet aber nicht nur die äußerliche Ähnlichkeit. Auch ihre Lebensläufe im Fußball weisen Parallelen auf: Wie Leroy spielte auch er in der Jugend für die SG Wattenscheid 09 und Bayer Leverkusen, bevor er beim FC Schalke 04 landete. Und wie der Bruder gab auch Sidi dort sein Profidebüt.
Den Bruder beim Bundesliga-Debüt knapp verpasst
Nur: Während Leroy durchstartete, gestaltete sich Sidis Weg holpriger. Er trainierte bei den Profis mit, doch die entscheidende Konstanz, über Wochen hinweg in der Bundesliga anzuklopfen, fehlte ihm nach eigener Einschätzung noch. „Dass der Verein damals im Abstiegskampf der Bundesliga steckte, machte es für einen jungen Spieler natürlich nicht einfacher“, sagte er in einem Interview. In solchen Phasen, so die nüchterne Erkenntnis, „werden nicht viele Experimente mit jungen Spielern gemacht“.
Ein Moment aber bleibt: sein einziges Bundesligaspiel – ausgerechnet gegen den FC Bayern. „Das war eines meiner schönsten Erlebnisse. Dafür spielt man Fußball“, erzählt Sané. Zehn Jahre im Verein, dann das Debüt gegen den Rekordmeister: „Das werde ich mein Leben nie vergessen.“
Nervosität, ja – bis zu dem Augenblick, als er den Rasen betrat. „Nachdem ich die ersten zwei Schritte auf dem Spielfeld gemacht hatte, war ich fokussiert und komplett im Tunnel.“ Eine kleine Pointe dieses Tages: Sein damals noch für die Bayern spielender Bruder Leroy war sechs Minuten vor seiner Einwechslung ausgewechselt worden. Bedauerlich, sagt Sidi, aber nicht entscheidend. Wichtig war für ihn vor allem, überhaupt dort zu stehen.
Comeback auf dem Feld im Hinspiel beim KSC
Im Sommer 2023 wechselte er nach Braunschweig, um über regelmäßige Spielzeit voranzukommen. Ein Schritt in die 2. Liga, weg vom „Mittrainieren“ hin zu einem Umfeld, in dem er einen Rhythmus entwickeln kann, so war sein Gedanke.
Doch auch bei der Eintracht ließ ihn das Verletzungspech nicht los: In der ersten Saison bei den Niedersachsen kamen – „nicht zuletzt aufgrund von Verletzungen“ – nur zehn Einsätze zusammen. Und als der nächste Anlauf beginnen sollte, folgte im Sommer 2024 der nächste Rückschlag: Kreuzbandriss.
Sein Comeback auf dem Feld feierte er in der Hinrunde dieser Saison im Auswärtsspiel beim KSC. Bei der 0:2-Niederlage seiner Mannschaft wechselte ihn Braunschweigs Trainer Heiner Backhaus im BBBank Wildpark für die Schlussphase noch ein, doch da war die Sache für die Gäste bereits gelaufen.
War Sidi Sané seither überwiegend die Joker-Rolle vorgesehen, kam er nun am vergangenen Samstag beim 0:0 in Fürth zum zweiten Mal in dieser Saison über die volle Spielzeit zum Einsatz. Er bekam den Vorzug gegenüber dem kürzlich vom 1. FC Kaiserslautern ausgeliehenen Faride Alidou. Die Ex-Karlsruher im Eintracht-Kader, Fabio Kaufmann und Robin Heußer, waren hingegen nicht in die Partie gekommen.